Ana Ivanović hat in einem zurückblickenden Gespräch eine Episode aus ihrer Profikarriere beschrieben, die zeigt, wie wenig Spielraum Einzelsportlerinnen oft hatten: Nach einer Niederlage bei den French Open stellte sie ihren damaligen Trainer zur Rede – und er räumte ein, den Gegner verwechselt zu haben. Trotzdem musste Ana Ivanović anschließend vor der Presse die Verantwortung übernehmen.
Die frühere Weltranglistenerste erzählte dies im Podcast „(Ne)uspjeh prvaka“ von Ex-Fußballer Slaven Bilić. Ihr Trainer habe ihr vor dem Match einen taktischen Plan erklärt, der jedoch auf eine andere russische Spielerin mit ähnlichem Nachnamen zutraf. Ana Ivanović erinnert sich, dass sie ihm daraufhin unmissverständlich gesagt habe: „Alles war falsch.“
Warum die Szene so aufschlussreich ist
Der Fall verdeutlicht ein strukturelles Problem im professionellen Tennis: Die Spielerin trägt das Ergebnis, die öffentliche Kritik und die Erklärung vor den Medien – selbst wenn die Vorbereitung fehlerhaft war. Ana Ivanović entschied sich damals bewusst dafür, den Fehler ihres Trainers nicht öffentlich zu machen, weil sie fürchtete, als unprofessionell wahrgenommen zu werden.
Gerade weil Ana Ivanović zu den erfolgreichsten Spielerinnen ihrer Generation gehörte, macht ihre Schilderung deutlich, dass Spitzenleistung nicht nur von Talent und Training abhing. Sie hing auch davon ab, wer hinter den Kulissen verlässliche Informationen lieferte, wie belastbar das Umfeld war und wie viel Druck eine Athletin allein schlucken musste.
Schmerz, Medikamente und ein hartes Jahr
Neben dieser taktischen Panne sprach Ana Ivanović auch über die körperlichen Kosten ihrer Karriere. 2014 habe sie nach eigenen Angaben sechs Monate lang das Schmerzmittel Voltaren genommen, weil Rückenprobleme und ein eingeklemmter Nerv ihren Alltag stark eingeschränkten. Selbst einfache Bewegungen wie das Anziehen der Socken seien zeitweise schwierig gewesen.
Trotzdem blieb sie auf dem Court: In jenem Jahr gewann Ana Ivanović laut ihrer Erzählung drei Turniere. Das macht verständlich, warum sie die Belastungen in Kauf nahm – und warum sie den Einzelsport rückblickend als „brutal“ bezeichnet.
Was ihre Offenheit bedeutet
Ana Ivanović beendet mit solchen Einblicken das Bild einer glatten Erfolgsgeschichte. Ihre Karriere umfasste den French-Open-Sieg 2008 und Wochen an der Spitze der Weltrangliste, doch ihre späteren Aussagen zeigen auch Panikattacken, Verletzungen und psychische Erschöpfung.
Für den heutigen Sport ist das mehr als eine persönliche Anekdote. Es unterstreicht, wie wichtig professionelle Betreuung, klare Verantwortlichkeiten und ein Umfeld sind, in dem Athletinnen Fehler offen ansprechen können, ohne sofort öffentlich dafür bestraft zu werden. Ana Ivanovićs Geschichte bleibt deshalb aktuell: Sie zeigt, dass sichtbare Erfolge oft auf unsichtbaren Opfern beruhen.
Quellen
Schweinsteiger-Ex Ana Ivanovic nimmt Schuld auf sich: „War alles falsch“
Trauriges Geständnis! „Ich habe nie darüber gesprochen“
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