Der BMW iX4 ist mehr als nur eine elegante Variante des iX3: Mit dem neuen SUV-Coupé beweist BMW, dass die „Neue Klasse“ nicht nur technisch eine Wende bedeutet, sondern auch eine klare Antwort darauf gibt, wie elektrische Premiumautos künftig aussehen, fahren und sich verkaufen sollen. Der iX4 kombiniert die Technik des iX3 mit einer flacheren, sportlicheren Karosserie – und erreicht dadurch sogar eine etwas bessere Reichweite als sein konventioneller Bruder.
BMW setzt damit eine bewährte Formel fort: Aus dem X3 wurde einst der X4, aus dem X5 der X6. Beim iX4 wiederholt der Hersteller dieses Prinzip nun im Elektrozeitalter. Doch die Rechnung ist diesmal differenzierter, denn ein Coupé-Heck muss sich bei einem E-Auto nicht nur optisch rechtfertigen. Es beeinflusst Aerodynamik, Reichweite, Ladepraxis und den Alltag. Genau hier liegt der interessante Teil der Geschichte.
Warum der iX4 wichtig ist
Der iX4 ist nach dem iX3 und der neuen Limousine i3 das dritte Modell der „Neuen Klasse“. Damit zeigt BMW erstmals, wie flexibel die neue technische Plattform wirklich ist: Dieselbe Grundarchitektur trägt ein klassisches SUV, eine Limousine und nun ein dynamisch geschnittenes Crossover.
Das ist strategisch bedeutsam. BMW muss in einem Markt bestehen, in dem Käufer weiterhin SUVs wollen, aber zunehmend auch Reichweite, Ladekomfort und ein modernes digitales Erlebnis erwarten. Der iX4 adressiert genau diese Gruppe: Menschen, die ein elektrisches Auto für lange Strecken suchen, aber kein kastenförmiges Familien-SUV fahren möchten.
Die Coupé-Form ist dabei kein reines Designstatement. Das abfallende Dach verbessert die Aerodynamik. Der iX4 erreicht einen Luftwiderstandsbeiwert von 0,23, während der iX3 bei 0,24 liegt. Das klingt nach einer kleinen Differenz, wirkt sich aber messbar auf den Energiebedarf aus.
Mehr Reichweite durch weniger Luftwiderstand
Die wichtigste technische Botschaft des BMW iX4 lautet: Schönheit kann hier funktional sein. Der iX4 50 xDrive soll nach WLTP bis zu 828 Kilometer weit kommen – 23 Kilometer mehr als der vergleichbare iX3. Das entspricht einem Reichweitengewinn von rund 2,8 Prozent.
Für den Alltag ist dieser Unterschied zwar nicht revolutionär, aber er ist symbolisch stark. In einer Zeit, in der Reichweitenangaben oft als Marketingzahl missverstanden werden, zeigt BMW, dass Karosserieform weiterhin ein echtes Ingenieurwerkzeug ist. Ein niedrigerer cW-Wert hilft besonders bei Autobahntempo, wo der Luftwiderstand den größten Teil des Energieverbrauchs ausmacht.
Der iX4 50 xDrive nutzt einen Akku mit 108,7 kWh nutzbarer Kapazität. BMW gibt für ihn eine maximale Gleichstrom-Ladeleistung von 400 kW an. Unter optimalen Bedingungen sollen in zehn Minuten Energie für bis zu 387 Kilometer zusätzliche WLTP-Reichweite nachgeladen werden können.
Das ist die eigentliche Zukunftsfähigkeit des Modells. Nicht die theoretische Maximalreichweite entscheidet über die Alltagstauglichkeit, sondern die Frage, wie schnell ein Auto auf einer langen Reise wieder fahrbereit ist. Mit dieser Ladeperformance positioniert sich BMW klar im oberen Segment des Elektromarkts.
Zwei Motoren, vier Räder, keine Heckantriebsvariante
Zum Marktstart bietet BMW den iX4 ausschließlich mit Allradantrieb an. Der iX4 40 xDrive leistet 275 kW beziehungsweise 374 PS und beschleunigt in 5,6 Sekunden von null auf 100 km/h. Seine maximale Reichweite gibt BMW mit bis zu 638 Kilometern an.
Darüber steht der iX4 50 xDrive mit 345 kW, also 469 PS, und einem Drehmoment von 645 Newtonmetern. Er sprintet in 4,9 Sekunden auf 100 km/h und erreicht bis zu 828 Kilometer WLTP-Reichweite.
Später folgt der iX4 M60 xDrive. Sein Doppelmotorantrieb leistet 450 kW oder 612 PS und entwickelt bis zu 875 Newtonmeter Drehmoment. Der Sprung auf 100 km/h soll in 3,9 Sekunden gelingen; die Reichweite liegt bei bis zu 777 Kilometern.
Interessant ist, dass BMW vorerst auf Heckantrieb verzichtet. Das ist keine technische Notwendigkeit, sondern eine Positionierungsentscheidung. Der iX4 soll von Anfang an als sportlich, alltagstauglich und wintertauglich wahrgenommen werden. Allrad ist in dieser Preisklasse zudem ein starkes Verkaufsargument, besonders in Regionen mit Schnee, Nässe oder anspruchsvollen Landstraßen.
Praktikabilität: Der Kompromiss fällt kleiner aus als erwartet
Das größte Vorurteil gegenüber SUV-Coupés betrifft den Innenraum. Tatsächlich bleibt der iX4 überraschend alltagstauglich. Er ist 4,78 Meter lang und bietet im Fond weiterhin ausreichend Beinfreiheit für Erwachsene. Die flachere Dachlinie kostet zwar etwas Kopffreiheit und macht den Einstieg etwas enger, doch das serienmäßige Panoramaglasdach mildert den Eindruck im Innenraum deutlich.
Der Kofferraum fasst in der Standardkonfiguration 490 Liter und liegt damit nur rund 30 Liter unter dem Volumen des iX3. Wer die Rücksitzbank umklappt, erhält bis zu 1.600 Liter Laderaum. Gegenüber dem iX3 fehlen dann zwar etwa 150 Liter, doch für Urlaub, Sportausrüstung oder größere Einkäufe bleibt genug Platz.
Der echte Kompromiss liegt weniger im Volumen als in der Form. Das fließende Heck begrenzt die Ladehöhe im hinteren Bereich. Wer regelmäßig hohe Möbel, Fahrräder oder sperrige Gegenstände transportiert, wird den iX3 mit seinem klassischen Steilheck vermissen. Für die Mehrheit der Käufer dürfte dieser Nachteil jedoch selten relevant sein.
Innenraum und Digitalisierung
Im Innenraum übernimmt der iX4 die Technik des iX3. Dazu gehören das Panoramic iDrive mit großem Zentraldisplay, ein digitales Cockpit und ein modernes Bedienkonzept, das physische Schalter weiter zurückdrängt. BMW stattet den iX4 serienmäßig mit einem Sportpaket aus, das unter anderem 20-Zoll-Räder, eine Sportbremsanlage mit blauen Bremssätteln und das Panoramadach umfasst.
Für den M60 sind 21- oder 22-Zoll-Räder, Sportsitze und ein adaptives Fahrwerk erhältlich. Damit positioniert BMW das Topmodell nicht nur als schnellstes iX4, sondern auch als dynamischste Variante.
Besonders aufmerksam sollte man den Autobahn-Assistenten betrachten. Bis 130 km/h kann das Fahrzeug auf der Autobahn automatisch fahren, ohne dass der Fahrer das Lenkrad permanent halten muss. Auch Spurwechsel und Überholvorgänge sind in diesem Modus vorgesehen.
Das verändert die Rolle des Fahrers auf langen Strecken. Gleichzeitig entstehen neue Fragen nach Verantwortung, Überwachung und rechtlicher Einordnung. BMW positioniert diese Funktion als Fahrassistenz, nicht als autonome Fahrt. Dennoch wird sie für viele Kunden ein Kaufargument sein – vor allem bei einem Auto, das ausdrücklich für Langstrecke gebaut wurde.
Preis: Der Preis für Design und Reichweite
Der BMW iX4 40 xDrive startet bei 70.900 Euro. Der iX4 50 xDrive kostet mindestens 75.900 Euro. Damit liegt das Coupé-SUV über dem iX3, obwohl es im Fond und im Kofferraum etwas weniger Platz bietet.
Auf den ersten Blick wirkt das teuer. Bei genauerer Betrachtung relativiert sich der Aufpreis jedoch: Panoramadach und M-Sportpaket sind beim iX4 serienmäßig, während sie beim iX3 Extra kosten. Ausstattungsbereinigt fällt die Differenz daher deutlich geringer aus als die nackten Basispreise vermuten lassen.
Trotzdem bleibt der iX4 ein klares Premiumangebot. Mit einem Einstiegspreis von über 70.000 Euro zielt BMW nicht auf die elektrische Masse, sondern auf Käufer, die bereit sind, für Marke, Reichweite, Fahrleistung und Design zu zahlen. Das ist riskant, aber konsequent: BMW will nicht primär das günstigste E-SUV anbieten, sondern die emotionale und technologische Führungsrolle verteidigen.
Für wen der iX4 gedacht ist
Der BMW iX4 richtet sich an eine spezifische Käufergruppe: Vielfahrer, die lange Strecken fahren, Wert auf Design legen und kein klassisches Familien-SUV möchten. Er passt zu Berufspendlern mit regelmäßigen Autobahnfahrten, zu Kunden mit Firmenwagenbudget und zu allen, die ein Elektroauto suchen, das nicht nach Verzicht aussieht.
Wer maximale Praktikabilität sucht, bleibt beim iX3 wahrscheinlich besser aufgehoben. Er bietet mehr Ladevolumen, ein praktischeres Heck und einen niedrigeren Einstiegspreis. Wer hingegen ein elektrisches Auto will, das zugleich langstreckentauglich, schnell und optisch eigenständig ist, findet im iX4 ein überzeugendes Angebot.
Was der iX4 für den Elektromarkt bedeutet
Der iX4 ist ein Signal an die Konkurrenz. BMW zeigt, dass die nächste Generation elektrischer Premiumautos nicht nur über Batteriegröße definiert wird, sondern über die Kombination aus Effizienz, Ladeleistung, Software und emotionaler Anziehungskraft.
Die Zukunft des Elektroautos wird weniger von der Frage bestimmt, ob ein Modell 600 oder 800 Kilometer schafft. Entscheidend wird, wie schnell es lädt, wie verlässlich die Reichweite im Winter ist, wie intuitiv die Software funktioniert und ob das Fahrzeug Menschen wirklich Freude macht. Der BMW iX4 beantwortet diese Fragen mit einer klaren Richtung: mehr Effizienz durch Design, mehr Komfort durch Technik und mehr Emotion durch Form.
Damit ist der iX4 kein bloßes Ablegermodell des iX3. Er ist ein Beweis, dass BMW die „Neue Klasse“ als Plattform für unterschiedliche Charaktere versteht – und dass das Elektro-SUV-Coupé auch 2027 noch eine ernstzunehmende Fahrzeugkategorie ist.
Quellen
Innenraumcheck BMW iX4 Mehr Reichweite und billiger als der iX3
Der neue BMW iX4