Susan Saint James ist im Alter von 80 Jahren gestorben. Die Emmy-prämierte US-Schauspielerin, die durch „McMillan & Wife“ und „Kate & Allie“ zu einer der prägenden Fernsehfiguren ihrer Generation wurde, verstarb am 26. Oktober nach einer Krebserkrankung des Pankreas. Ihre Familie bestätigte den Tod gegenüber der US-Zeitschrift „People“.

Ihr Tod markiert nicht nur das Ende eines langen Lebens, sondern auch das Verschwinden einer Schauspielerin, deren Karriere zwei wichtige Kapitel der amerikanischen Popkultur verbindet: die glamouröse Krimiserie der 1970er Jahre und die moderne Familienkomödie der 1980er. Saint James war dabei nie nur eine beliebte Hauptdarstellerin. Sie verkörperte einen Wandel, in dem weibliche Figuren im Fernsehen von dekorativen Nebenrollen zu eigenständigen, komplexen Menschen wurden.

Warum ihr Tod mehr bedeutet als eine Trauernachricht

Susan Saint James starb nach Angaben ihres Sprechers an Bauchspeicheldrüsenkrebs, einer der aggressivsten und medizinisch besonders schwierigen Krebsarten. Doch die öffentliche Reaktion auf ihren Tod zeigt, dass sie weit mehr war als die Summe ihrer Rollen.

Für ein älteres Publikum war sie Sally McMillan, die charmante, schlagfertige Ehefrau von Rock Hudsons Polizeikommissar in „McMillan & Wife“. Für eine jüngere Generation war sie Kate McArdle aus „Kate & Allie“ – eine geschiedene Mutter, die mit ihrer besten Freundin einen Haushalt führte, Kinder großzog und dabei zeigte, dass ein Leben nach der Trennung nicht zwangsläufig mit Scheitern oder Isolation enden musste.

Gerade diese zweite Rolle hat bis heute Bestand. In einer Zeit, in der Serienfiguren oft auf Klischees reduziert werden, bot „Kate & Allie“ etwas Ungewöhnliches: zwei erwachsene Frauen, deren Freundschaft nicht als Nebenhandlung diente, sondern das Herz der Serie bildete. Saint James spielte Kate als lebensfroh, unkonventionell und emotional verletzlich – ohne die Figur in die Rolle der „verwirrten geschiedenen Frau“ zu drängen.

Vom Model zur Fernsehgröße

Saint James wurde 1946 in Los Angeles als Susan Jane Miller geboren und wuchs in Rockford im US-Bundesstaat Illinois auf. Bereits als Kind träumte sie von einer Filmkarriere; mit 20 Jahren nahm sie den Künstlernamen Susan Saint James an und zog nach Hollywood.

Ihr Durchbruch kam nicht im Kino, sondern im Fernsehen. In der NBC-Serie „The Name of the Game“ spielte sie die Journalistin Peggy Maxwell und erhielt für diese Rolle drei Emmy-Nominierungen, davon eine als Gewinnerin. Das war in den späten 1960er Jahren bemerkenswert: Saint James etablierte sich in einer Ära, in der Frauen im US-Fernsehen häufig auf Assistenz-, Ehefrauen- oder Verführungsrollen beschränkt waren.

Mit „McMillan & Wife“ wurde sie ab 1971 einem Massenpublikum bekannt. An der Seite von Rock Hudson spielte sie Sally McMillan, die Ehefrau des San Franciscoer Polizeikommissars Stewart McMillan. Die Serie kombinierte Krimi, Komödie und elegante Unterhaltung – und Saint James sorgte dafür, dass Sally nicht bloß die Frau an der Seite des Ermittlers war. Sie war Mitdenkerin, Sparring-Partnerin und oft die Figur, die dem Geschehen Wärme und Humor verlieh. Für die Rolle erhielt sie drei weitere Emmy-Nominierungen.

„Kate & Allie“: Eine Serie mit gesellschaftlicher Sprengkraft

Der eigentliche kulturelle Höhepunkt ihrer Karriere begann 1984. In „Kate & Allie“ spielte Saint James an der Seite von Jane Curtin zwei geschiedene Freundinnen, die mit ihren Kindern zusammenziehen. Die CBS-Serie lief bis 1989 und machte Saint James erneut zu einer der bekanntesten Gesichter des amerikanischen Fernsehens.

Was die Serie so wirksam machte, war ihre Alltagsnähe. Kate und Allie waren keine Superheldinnen und keine perfekten Mütter. Sie hatten finanzielle Sorgen, unterschiedliche Erziehungsstile, romantische Enttäuschungen und den täglichen Balanceakt zwischen Beruf, Kindern und eigenem Leben. Genau darin lag ihre moderne Wirkung.

Saint James selbst betonte damals, dass die Serie keine Aufforderung sein sollte, die Ehe zu verlassen und mit der besten Freundin zusammenzuziehen. Kate und Allie hätten ihren Weg nicht geplant; er sei schlicht die beste Lösung gewesen, die sie finden konnten. Ihre Freundschaft habe sie getragen.

Aus heutiger Sicht wirkt diese Haltung bemerkenswert vorausschauend. „Kate & Allie“ normalisierte gewollte Familienformen, die damals in der Öffentlichkeit oft noch als Ausnahme dargestellt wurden. Die Serie zeigte, dass Familie nicht zwingend aus einem klassischen Ehepaar bestehen muss, sondern aus Vertrauen, Verantwortung und gegenseitiger Unterstützung entstehen kann.

Eine Karriere mit bewussten Pausen

Bemerkenswert an Saint James war auch, dass sie sich früh vom Rampenlicht zurückzog. Nach dem Ende von „Kate & Allie“ 1989 übernahm sie nur noch vereinzelt Rollen, unter anderem in „The Drew Carey Show“, „Law & Order: Special Victims Unit“ und „Suits“.

Diese Entscheidung war kein Karrierebruch, sondern eine bewusste Prioritätensetzung. Saint James erklärte in den 1990er Jahren, ihre Kinder seien in einem Alter gewesen, in dem sie die Hauptfiguren der Familie sein müssten. Sie wolle keine Mutter sein, bei deren Auftritt die Kinder in den Hintergrund gedrängt würden.

In einer Branche, die weibliche Karrieren oft an jugendliche Optik und permanente Sichtbarkeit koppelt, war das ein ungewöhnlicher Kontrapunkt. Saint James bewies, dass eine Schauspielerin nicht erst dann Respekt verdient, wenn sie bis ins hohe Alter sichtbar bleibt. Ihr Vermächtnis entstand auch durch das, was sie bewusst nicht mehr tat.

Privates Glück und eine unfassbare Tragödie

Ihr Privatleben war eng mit dem Fernsehen verbunden: 1981 lernte sie bei einer „Saturday Night Live“-Ausgabe den NBC-Manager Dick Ebersol kennen. Die beiden heirateten nur 42 Tage nach ihrem ersten Date und bekamen drei gemeinsame Söhne.

Doch das Familienleben wurde 2004 von einer Katastrophe überschattet. Bei einem Flugzeugabsturz in Colorado starb ihr 14-jähriger Sohn Teddy. Ebersol und der gemeinsame Sohn Charles überlebten.

Saint James’ Umgang mit diesem Verlust prägte ihr späteres öffentliches Bild. Kurz nach dem Unglück trat sie gemeinsam mit dem NBC-Journalisten Tim Russert in der „Today Show“ auf, um sich bei den Menschen zu bedanken, die der Familie Beileid bekundet hatten. Laut ihrer Familie beantwortete sie später rund 15.000 von 27.000 Trauerbriefen handschriftlich.

Diese Geste sagt viel über sie aus. Saint James verwandelte persönliches Leid nicht in Rückzug, sondern in Empathie. Sie unterstützte andere Eltern, die Kinder verloren hatten, und pflegte unter anderem eine enge Freundschaft mit Lynn McDonnell, deren Tochter Grace beim Angriff auf die Sandy Hook Elementary School 2012 getötet worden war.

Mehr als eine Schauspielerin: Engagement für die Special Olympics

Ein oft übersehener Teil ihres Lebens war ihr jahrzehntelanges soziales Engagement. Saint James setzte sich besonders für die Special Olympics ein, nachdem sie 1968 an den ersten Spielen in Chicago teilgenommen hatte. Später saß sie im internationalen Board der Organisation sowie im Vorstand der Special Olympics of Connecticut.

Sie organisierte zudem ein Benefiz-Pokerturnier zugunsten der Special Olympics und unterstützte weitere Organisationen, darunter das Telluride Foundation und Assistance Dogs of Hawaii. Dieses Engagement war keine bloße Prominenten-Accessoire. Es passte zu dem Bild, das ihre Familie von ihr zeichnet: eine Frau, die Zeit und Energie höher schätzte als Geld und instinktiv Menschen helfen wollte, die Unterstützung brauchten.

Warum ihr Erbe Bestand haben wird

Susan Saint James hinterlässt ihren Ehemann Dick Ebersol, vier Kinder, sieben Enkelkinder, ihre Schwester Mary Mercedes Dewey sowie ihren Diensthund Lola. Doch ihr eigentliches Erbe liegt weniger in Statistiken als in Bildern: Sally McMillan, die mit Humor und Intelligenz einen Krimi-Klassiker belebte; Kate McArdle, die zeigte, dass Scheidung kein soziales Ende bedeutet; und eine Frau, die nach dem Verlust ihres Kindes anderen Trost spendete.

Ihre Karriere fällt in eine Zeit, in der das US-Fernsehen begann, Frauen nicht nur als Partnerinnen männlicher Helden zu erzählen. Saint James war an diesem Wandel beteiligt – nicht durch lautstarke Manifeste, sondern durch Rollen, die Millionen Menschen wöchentlich sahen und sich mit ihnen identifizieren konnten.

Ihr Tod erinnert daran, wie stark gute Unterhaltung gesellschaftlich wirken kann. Eine Sitcom über zwei geschiedene Mütter klang 1984 vielleicht nach leichter Abendunterhaltung. Heute wirkt sie wie ein früher Beitrag zu Debatten über alleinerziehende Eltern, gewählte Familien und die Würde von Frauen abseits traditioneller Rollenbilder.

Susan Saint James wird vor allem als Fernsehschauspielerin in Erinnerung bleiben. Doch ihre größte Rolle war vielleicht die, die sie abseits der Kamera spielte: die einer Frau, die Familie, Freundschaft und Mitmenschlichkeit nicht als Nebensache behandelte, sondern als Kern ihres Lebens.

Quellen

Susan Saint James Was Diagnosed with Pancreatic Cancer Before Her Death, Her Family Confirms
Susan Saint James, Emmy-winning actor of ‘McMillan & Wife’ and ‘Kate & Allie,’ dies at 80

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