Der BVB steht vor einem Problem, das sich nicht auf eine schwache Partie reduzieren lässt: Felix Nmecha liefert weiterhin Momente, die zeigen, warum er zu den wertvollsten Spielern im Kader gehört – doch gleichzeitig fehlt ihm die Konstanz, die Borussia Dortmund von einem möglichen Weltklasse-Mittelfeldspieler erwartet. Beim mühsamen 2:1-Sieg des BVB bei Sabah FK war genau dieser Zwiespalt sichtbar: Nmecha initiierte die Führung, verlor aber anschließend mehrfach den Ball in gefährlichen Zonen und war am Gegentor beteiligt.

Warum der BVB so stark an Nmecha hängt

Nmecha ist für den BVB kein gewöhnlicher Achter. Er verbindet körperliche Präsenz, Laufwege in den Strafraum und die Fähigkeit, aus dem Zentrum heraus Tempo zu erzeugen. Wenn er funktioniert, wird Dortmunds Spiel direkter, weil Gegner den BVB nicht mehr nur auf den Flügeln bekämpfen können. Genau deshalb wirkte der BVB in der vergangenen Saison so deutlich verletzbarer, als Nmecha wegen eines Außenbandrisses im Knie fehlte.

Seine Bedeutung zeigt sich auch in den Zahlen: In sechs Bundesliga-Partien gewann Nmecha 58 von 97 Zweikämpfen, eine Quote von 59,8 Prozent. In der gesamten Vorsaison lag sie bei 53,7 Prozent. Dazu kamen bereits zwei Tore in dieser Liga-Saison – so viele wie in der gesamten vorherigen Spielzeit.

Die Kehrseite seiner Rolle

Das eigentliche Problem ist nicht die Zweikampfquote, sondern die Qualität seiner Ballverluste. Gegen Sabah FK schoss Nmecha zwar auf das Tor, woraus Serhou Guirassy die Führung für den BVB verwertete. Doch kurz darauf führte ein leichtfertiger Ballverlust zu einem Freistoß, aus dem Sabah ausglich. Später sorgte ein weiterer Fehlpass für eine gefährliche Konterchance des Gegners.

Für einen Spieler, der im Sommer als kommender Superstar gehandelt wurde, sind solche Szenen besonders auffällig. Nmecha wird nicht daran gemessen, ob er ordentliche Statistiken produziert, sondern ob er in entscheidenden Momenten das Spiel des BVB kontrolliert. Aktuell fehlt ihm nach einer nicht optimalen Vorbereitung noch die nötige Stabilität auf höchstem Niveau.

Was die Ausstiegsklausel bedeutet

Dortmund hat ein doppeltes Interesse daran, dass Nmecha schnell wieder zu seiner Bestform findet. Sportlich braucht Trainer Niko Kovac ihn als Unterschiedspieler. Wirtschaftlich ist er zugleich ein potenzieller Millionenfaktor: Sein Vertrag läuft bis 2030, enthält aber angeblich eine Ausstiegsklausel über rund 80 Millionen Euro, die erst ab dem Sommer 2027 greift.

Klubs aus der Premier League, darunter Liverpool und Manchester United, werden mit Nmecha in Verbindung gebracht. Für den BVB wäre ein Abgang im Winter unwahrscheinlich, weil die Klausel noch nicht aktivierbar ist; ein Wechsel im Januar würde daher deutlich teurer ausfallen.

Zukunft: Form oder Ablöse?

Für den BVB ist die nächste Phase entscheidend. Gelingt es Nmecha, seine physischen Stärken mit mehr Ruhe am Ball und besserer Absicherung im Umschaltspiel zu verbinden, bleibt er der Spieler, um den Dortmunds Mittelfeld gebaut werden kann. Bleiben die unkontrollierten Ballverluste jedoch Teil seines Spiels, wächst der Druck – und die Frage, ob der BVB langfristig um ihn herumplant oder irgendwann über einen lukrativen Verkauf nachdenken muss.

Eines ist jedenfalls klar: Der BVB kann sich einen durchschnittlichen Nmecha leisten, aber nicht dauerhaft. Seine beste Version macht Dortmund besser; seine unruhige Version macht das gesamte Team anfällig.

Quellen

Doppelter Guirassy beendet Dortmunder Ergebniskrise
BVB besiegt Sabah FK in der Champions League dank des Doppelpacks von Serhou Guirassy

Teilen.
Eine Antwort hinterlassen