Jacqueline Stuhler ist im Alter von 70 Jahren gestorben. Die frühere Fernsehjournalistin und Moderatorin, die elf Jahre lang das „ARD-Buffet“ prägte, starb am 24. Oktober 2026 in Friolzheim im Enzkreis nach langer, schwerer Krankheit; ihr Ehemann bestätigte den Tod dem Südwestrundfunk.

Mit ihr geht nicht nur eine bekannte Fernsehstimme. Es endet eine journalistische Laufbahn, die sich kaum auf eine Rolle reduzieren lässt: Stuhler war Reporterin, Redaktionsleiterin, Interviewerin, Jugendmoderatorin und schließlich das Gesicht einer Sendung, die Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer über Jahre in ihren Mittagsalltag begleitete.

Warum ihr Tod über die ARD hinaus relevant ist

Der Tod einer langjährigen Moderatorin wird häufig als Nachricht aus der Fernsehwelt behandelt. Bei Jacqueline Stuhler lohnt sich ein genauerer Blick, weil ihre Karriere eine Entwicklung des deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunks spiegelt: vom politisch geprägten Regionaljournalismus über Jugendsendungen bis zu einem Ratgeberformat, das Unterhaltung, Service und Alltagsthemen verband.

Stuhler gehörte 1998 zum Gründungsteam des „ARD-Buffet“ und moderierte das SWR-Format anschließend elf Jahre lang im Ersten. Damit wurde sie für ein bundesweites Publikum zu einer jener vertrauten Präsenzen, deren Bedeutung sich oft erst zeigt, wenn sie fehlt.

Ihre Wirkung lag dabei nicht in lautstarker Selbstdarstellung. SWR-Intendant Kai Gniffke beschrieb sie als jemanden, der genau zugehört, Menschen ernst genommen und komplexe Themen verständlich gemacht habe. Diese Würdigung trifft einen Kern modernen Journalismus: Nicht die größte Stimme ist automatisch die überzeugendste, sondern jene, die Zuhören zur Methode macht.

Vom Bodensee in den deutschen Rundfunk

Jacqueline Stuhler wurde am 23. April 1956 in Lindau geboren und wuchs am Bodensee auf. Ihre journalistische Ausbildung begann sie mit einem Volontariat bei der „Nürnberger Zeitung“, bevor sie in Erlangen Theaterwissenschaften studierte.

1980 startete sie beim Bayerischen Rundfunk als Reporterin. Dort moderierte sie unter anderem „Zündfunk“ und „Live aus dem Alabama“ – Formate, die in den 1980er-Jahren für ein junges Publikum wichtig waren und eine andere, direktere Tonlage pflegten als klassische Nachrichtensendungen.

Dieser frühe Abschnitt ist bemerkenswert, weil er zeigt, wie vielseitig Stuhler arbeitete. Sie war nicht auf ein Genre festgelegt: Sie bewegte sich zwischen Jugendkultur, Politik, Wirtschaft und später Alltagsratgeber. Gerade diese Bandbreite machte sie im öffentlich-rechtlichen System besonders wertvoll, weil sie unterschiedliche Publikumserwartungen verstehen und verbinden konnte.

Politikjournalismus als Fundament

Bevor Stuhler bundesweit mit dem „ARD-Buffet“ bekannt wurde, hatte sie sich vor allem im politischen Journalismus einen Namen gemacht. Ab 1990 leitete sie die Redaktion Innenpolitik des damaligen Süddeutschen Rundfunks. In dieser Funktion verantwortete sie unter anderem „Pro und Contra“ sowie das „Schlaglicht“ im Dritten.

Das ist mehr als eine Station in einem Lebenslauf. Wer eine Innenpolitik-Redaktion leitet, muss Themen gewichten, Konflikte einordnen und komplexe Entscheidungen so erzählen, dass sie für ein breites Publikum nachvollziehbar bleiben. Diese Erfahrung prägte vermutlich auch ihren späteren Stil: sachlich, zugewandt und ohne die Illusion, dass Alltagsfragen unpolitisch seien.

Parallel zum „ARD-Buffet“ blieb Stuhler der Politik verbunden. Bis 2008 interviewte sie im „SWR Wortwechsel“ prominente Gäste und prägte das landespolitische Magazin „Ländersache“ im SWR-Fernsehen für Baden-Württemberg.

Das „ARD-Buffet“ als besonderes Format

Das „ARD-Buffet“ war nie eine klassische Nachrichtensendung. Es kombinierte Service, Gesundheit, Ernährung, Recht, Verbraucherfragen und Lebenshilfe mit einer entspannten, verlässlichen Atmosphäre. Genau deshalb brauchte es Moderatorinnen und Moderatoren, die nicht nur Texte vortragen, sondern Vertrauen erzeugen konnten.

Jacqueline Stuhler brachte diese Fähigkeit mit. Ihre politische Erfahrung verhinderte, dass Ratgeberthemen oberflächlich blieben; ihre zugewandte Art machte sie zugleich zugänglich. Diese Kombination ist im Fernsehen seltener, als sie klingt: Verständlichkeit wird oft mit Vereinfachung verwechselt, Seriosität mit Distanz. Stuhler vermittelte den Eindruck, dass beides zusammengehören kann.

Elf Jahre in einem täglichen oder regelmäßig ausgestrahlten Format bedeuten zudem eine besondere Form von Verantwortung. Moderatorinnen und Moderatoren werden zu Teil des Alltags ihres Publikums. Sie müssen über Jahre glaubwürdig bleiben, ohne in Wiederholung oder Selbstinszenierung zu verfallen. Dass Stuhler über ein Jahrzehnt das Gesicht des Formats blieb, spricht für eine bemerkenswerte Konstanz.

Auszeichnungen als Beleg für journalistische Qualität

Stuhlers Arbeit wurde mehrfach gewürdigt. Bereits 1982 erhielt sie den Ernst-Schneider-Preis für Wirtschaftsjournalismus, 2001 folgte der Hans-Bausch-Mediapreis.

Diese Auszeichnungen sind wichtig, weil sie zeigen: Ihre Bekanntheit war nicht allein das Ergebnis einer langen Präsenz vor der Kamera. Sie wurde auch für inhaltliche Qualität ausgezeichnet – für die Fähigkeit, wirtschaftliche und gesellschaftliche Zusammenhänge journalistisch aufzubereiten. In einer Zeit, in der Aufmerksamkeit leicht mit Reichweite gleichgesetzt wird, erinnert das daran, dass verlässliche Arbeit oft langsamer wirkt, aber länger Bestand hat.

Eine Karriere zwischen Nähe und Distanz

Was Stuhler von vielen Fernsehfiguren unterschied, war vermutlich ihr Verhältnis zur Nähe. Sie wirkte nahbar, ohne populär zu werden im Sinne einer Boulevardfigur. Sie erklärte, ohne belehrend zu wirken. Sie interviewte, ohne den Gesprächspartner lediglich als Kulisse für die eigene Meinung zu behandeln.

Diese Balance ist für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zentral. Seine Legitimation beruht nicht allein auf Quote, sondern auf Vertrauen: auf der Erwartung, dass Informationen sorgfältig geprüft, unterschiedliche Perspektiven ernst genommen und komplexe Themen nicht zugunsten von Effekten verkürzt werden. Stuhlers Würdigung durch den SWR deutet genau auf diese Haltung hin.

Was ihr Abschied für das Fernsehen bedeutet

Der Tod Stuhlers fällt in eine Phase, in der sich das Fernsehen grundlegend verändert. Junge Menschen informieren sich zunehmend über soziale Plattformen, kurze Videos und personalisierte Feeds. Klassische Ratgebersendungen stehen dadurch unter Druck, weil ihr Nutzen heute oft schneller, individualisierter und interaktiver angeboten wird.

Gerade deshalb bleibt das Beispiel Stuhlers aktuell. Sie verkörperte eine Form von Servicejournalismus, die nicht auf Klickzahlen, sondern auf Verlässlichkeit setzte. Wer heute Ratgeberinhalte produziert, kann von dieser Haltung lernen: Themen nicht nur algorithmusgerecht aufbereiten, sondern die tatsächlichen Fragen, Ängste und Entscheidungen des Publikums ernst nehmen.

Zugleich zeigt ihre Laufbahn, dass öffentlich-rechtliche Sender von Menschen leben, die zwischen verschiedenen Formaten vermitteln können. Politik braucht verständliche Erklärung, Ratgeber braucht journalistische Sorgfalt, Jugendformate brauchen Offenheit. Wer diese Bereiche trennt, verliert etwas Wesentliches: den Zusammenhang zwischen Information, Alltag und gesellschaftlicher Teilhabe.

Erinnerung an eine prägende Journalistin

Der SWR nimmt am Dienstagabend mit der Hauptausgabe von „SWR Aktuell Baden-Württemberg“ um 19.30 Uhr im Programm Abschied von Jacqueline Stuhler.

Ihr Nachlass ist dabei weniger eine einzelne Sendung als eine Haltung: genau hinhören, Menschen ernst nehmen, Komplexes erklären und dabei menschlich bleiben. Das „ARD-Buffet“ wird vielen als vertrauter Teil ihres Fernsehalltags in Erinnerung bleiben. Jacqueline Stuhler aber bleibt vor allem als Journalistin präsent, die verstand, dass gute Kommunikation nicht laut sein muss, um Wirkung zu entfalten.

Quellen

Langjährige „ARD-Buffet“-Moderatorin Jacqueline Stuhler gestorben
Gedenken SWR trauert um Jacqueline Stuhler

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