Die Unternehmensgruppe Theo Müller zieht sich aus zwei Produktionsbereichen in Ostdeutschland zurück. In Rogätz in Sachsen-Anhalt soll das Homann-Saucenwerk bis Ende September 2027 auslaufen, in Leppersdorf bei Bautzen wird die Schnittkäserei bereits zum Jahresende 2026 geschlossen. Insgesamt sind rund 320 Beschäftigte betroffen.

Zwei Standorte, zwei unterschiedliche Probleme

In Leppersdorf betrifft die Entscheidung nicht den gesamten Sachsenmilch-Standort. Geschlossen werden ausschließlich die Schnittkäserei sowie die damit verbundenen Produktions-, Verpackungs- und Verwaltungsbereiche. Die Sauermilchkäserei und die Mozzarella-Produktion bleiben nach Unternehmensangaben bestehen.

Für die Beschäftigten in Leppersdorf kommt das Aus deutlich schneller. Die Schließung ist bereits zum 31. Dezember 2026 vorgesehen. Theo Müller begründet den Schritt mit der fehlenden langfristigen Wirtschaftlichkeit des Bereichs. Nach Angaben des Unternehmens wurden zuvor verschiedene Handlungsoptionen geprüft, ohne eine tragfähige Lösung zu finden.

In Rogätz ist der Zeitplan länger. Dort soll die Produktion bis Ende September 2027 weiterlaufen. Das Werk wurde 2008 von Homann Feinkost übernommen und gehört seit 2011 zur Unternehmensgruppe Theo Müller. Auch dort stehen rund 160 Arbeitsplätze auf dem Spiel.

Der Wandel im Saucenregal

Die Entwicklung in Rogätz zeigt, wie stark sich Veränderungen im Einkaufsverhalten auf industrielle Produktionsstandorte auswirken können. Nach Angaben von Theo Müller geht die Nachfrage nach Saucen im Glas zurück, während andere Verpackungsformen an Bedeutung gewinnen.

Für ein Werk ist ein solcher Wandel besonders problematisch, wenn die vorhandenen Anlagen auf ein bestimmtes Format ausgerichtet sind. Sinkende Absatzmengen führen dann nicht nur zu weniger Umsatz. Gleichzeitig verteilen sich Energie-, Personal-, Wartungs- und Logistikkosten auf eine geringere Produktionsmenge. Die Auslastung sinkt, während die Kosten pro Produkt steigen.

Hinzu kommt nach Unternehmensangaben ein erheblicher Investitionsbedarf. Um den Standort zukunftsfähig zu machen, wären vermutlich hohe Ausgaben für Anlagen, Verpackungstechnik und Produktionsabläufe notwendig gewesen. Wenn die Nachfrage im entsprechenden Segment gleichzeitig zurückgeht, wird eine solche Investition aus Sicht des Konzerns schwerer zu rechtfertigen.

Kein Ende der gesamten Müller-Produktion

Die Ankündigung ist nicht mit einem vollständigen Rückzug von Theo Müller aus Sachsen oder Sachsen-Anhalt gleichzusetzen. In Leppersdorf bleiben andere Produktionsbereiche erhalten. Es handelt sich vielmehr um eine Neuordnung des Portfolios: Einzelne Bereiche mit hohen Kosten oder schwachen Zukunftsaussichten werden aufgegeben, während andere Teile der Standorte weitergeführt werden.

Für die Regionen bleibt die Entscheidung dennoch schwerwiegend. In kleineren Städten und Landkreisen gehören große Lebensmittelbetriebe häufig zu den wichtigsten Arbeitgebern. Ihre Bedeutung reicht über die direkt betroffenen Arbeitsplätze hinaus. Auch Zulieferer, Transportunternehmen, Dienstleister und regionale Handwerksbetriebe können mittelbar unter einer Produktionsschließung leiden.

Betriebsrat soll Lösungen mitentwickeln

Theo Müller kündigte an, gemeinsam mit den Betriebsräten sozialverträgliche Lösungen zu suchen. Im Gespräch sind unter anderem eine Weiterbeschäftigung an anderen Stellen innerhalb der Unternehmensgruppe, einvernehmliche Vertragsanpassungen sowie Qualifizierungs- und Weiterbildungsangebote.

Wie viele Beschäftigte tatsächlich innerhalb des Konzerns untergebracht werden können, ist derzeit offen. Entscheidend wird sein, ob an anderen Standorten passende Stellen vorhanden sind und ob Arbeitsort, Qualifikation und persönliche Situation der Betroffenen zusammenpassen. Gerade bei Produktionsarbeitsplätzen können zudem Schichtsysteme, Pendeldistanzen und notwendige Zusatzqualifikationen eine wichtige Rolle spielen.

Für die Mitarbeiter in Rogätz bietet der spätere Schließungstermin zumindest mehr Zeit für Gespräche und berufliche Alternativen. In Leppersdorf ist der Zeitdruck deutlich größer, weil die betroffenen Bereiche schon zum Jahresende schließen sollen.

Was die Entscheidung für die Lebensmittelbranche signalisiert

Die Pläne von Theo Müller machen einen grundlegenden Trend sichtbar: Lebensmittelhersteller müssen ihre Produktionsstrukturen stärker an veränderte Nachfrage, Verpackungsgewohnheiten und Kostenbedingungen anpassen. Selbst etablierte Marken und langjährig betriebene Werke bleiben davon nicht verschont.

Für die Zukunft dürfte es wichtiger werden, Produktionslinien flexibel auf unterschiedliche Verpackungen und Produktgrößen umzustellen. Unternehmen, die solche Anpassungen nicht wirtschaftlich umsetzen können, geraten schneller unter Druck. Gleichzeitig nimmt der Kostendruck in der Lebensmittelindustrie zu – unter anderem durch Energie, Personal, Rohstoffe, Transport und notwendige Modernisierungen.

Die angekündigten Schließungen sind daher nicht nur eine lokale Nachricht aus Sachsen und Sachsen-Anhalt. Sie zeigen, dass sich die Wettbewerbsfähigkeit eines Werkes heute nicht allein an seiner Produktionsgeschichte entscheidet. Ausschlaggebend sind zunehmend flexible Anlagen, eine ausreichende Auslastung und die Frage, ob sich Investitionen angesichts des künftigen Konsumverhaltens noch rechnen.

Quellen

Nachfrage geht zurück Müller schließt Werke in Ostdeutschland
Theo Müller schließt Werke in Sachsen-Anhalt und Sachsen

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